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… der Welt abhanden gekommen …


In Maiernigg am Wörthersee befindet sich in den Jahren 1901–1907 die Sommerresidenz des Komponisten Gustav Mahler mitsamt einem kleinen „Komponierhäuschen“ am waldigen Hang hinter der Villa. Dort, in der Stille der Natur, wo nichts als Naturlaute zu hören sind und niemand ihn beim Komponieren belauscht, findet Mahler die Schaffensbedingungen, die er sich wünscht.
Zu Fuß und mit dem Fahrrad durchstreift er die umliegenden Wälder und Berge, „um in einer Art keckem Raub meine Entwürfe davonzutragen“, wie er rückblickend in einem Brief an Bruno Walter schreibt. „An den Schreibtisch trat ich nur …, um meine Skizzen in Form zu bringen“. Dabei empfindet er sich selber als „Instrument, auf dem das Universum spielt“, und in Maiernigg ist es vor allem „der Wald mit seinen Wundern und seinem Grauen, der mich bestimmt und in meine Tonwelt hineinwebt. Ich sehe immer mehr: man komponiert nicht, man wird komponiert!“.
Mahler versteht Musik als klingendes Abbild der Welt – vermittelt über Empfindungen und Vorstellungen, denn „unser Gemüt“ ist für ihn die „einzig wahre Realität auf Erden“. Die in der Abgeschiedenheit von Maiernigg entstandenen Sinfonien und Lieder sind daher immer auch Reflex seiner Naturerfahrung und ‑erfülltheit, während sie gleichzeitig höchst artifizielle, durchkomponierte Werke darstellen und ohne romantische Naturseligkeit oder Programmatik auskommen.
Mahlers Eindrücken und Erfahrungen in und um Maiernigg spüren meine 28 Cyanotypien nach. Sie versuchen die Stimmungen einzufangen, in denen sich dieser moderne Romantiker während der Sommermonate bewegte, seiner alljährlichen Zeit des „Tondichtens“.
Die Bilder wurden 2020 in der Ausstellung Bildmusik gezeigt.